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Andere Laender, andere Ruhestörer

18. Dezember 2008

In Asien gibt es keine Rücksichtnahme.
Egal ob im Straßenverkehr oder beim menschlichen Miteinander.
Beim Autofahren fließt der Verkehr, aber Niemand würde einen anderen Autofahrer Vorfahrt gewaehren.
Ich bin mir nicht mal sicher, ob es überhaupt ein Vorfahrtsprinzip gibt.
Man draengt den Verkehr einfach zur Seite, bis sich wirklich kein Fahrzeug mehr vorbeiquetschen kann, und schon ist der Weg frei.
Aehnliches gilt auch im allgemeinen Miteinander.
Es gibt kein Prinzip der Rücksicht bzw. des Respektes der Privatzone des Naechsten.
Wahrscheinlich gibt es gar keine Privatzone.
Einzig hinter den eigenen Mauern ist man vor den Naechsten sicher-wenn man das Tor gut abschließt.

So weit so gut.
Das Ganze hat natürlich auch den Vorteil, daß man ziemlich ungeniert den nicht vorhandenen Freiraum des Anderen belegen kann.
Besonders gilt dies bei der Geraeuschkulisse.

So wetteifern die Hindutempel mit den Moscheen darum, wer die lauteste Verstaerkeranlage sein Eigen nennt.
Eigenartigerweise hört man von den christlichen Kirchen nicht mal ein Glöckchen.
Waere ja kein Problem, würde nicht in den Hindutempel oft bis Mitternacht rezitiert werden, waerend der Muezzin anscheinend die Wartefrist bis zum Morgengebet schweigend kaum ertraegt, und deshalb besonders laut gegen 5Uhr morgens ruft.
Egal, das stecken wir Mitteleuropaeer doch mit Toleranz weg.
Andere Laender, andere Ruhestörer.

Glücklicherweise findet derzeit im Dorf ohnehin keine Sportveranstaltung mit dröhnendem Technosound bis Mitternacht, natürlich paralell zum Gebet, statt.

Doch das Martyrium geht tagsüber weiter.
Kaum wird es hell, schon werden die kleinen Hüttchen in den Reisfeldern besetzt, und es wird gerufen und mit Stöcken fast ununterbrochen auf Bleche geschlagen.
Alles nur, um die schmarotzenden Vögel aus den Feldern zu vertreiben.
So schleppt man sich mürrisch zum Frühstückstisch.
Waehernd des Morgentoasts ruhen die Reisfeldarbeiter doch tatsaechlich auch.
Will man wegen dem entgangenen Tiefschlaf Mittags ruhen, so sind die Reiswaechter auch wieder in Höchstform…
Manchmal frage ich mich ernsthaft, ob die armen Arbeiter beim Laermen nicht mehr Energie verbrauchen, als sie in Form von Reiskörnern vor den Vögeln retten.

Doch was soll man sich beschweren?
Man würde auf totales Unverstaendnis stoßen.
Wahrscheinlich verstehen bayerische Almbauern auch nicht, daß Kuhglocken nerven können.
Doch welche Kuhherde bimmelt jeden Tag 8h 10m vor meinem Schlafzimmerfenster in der bayerischen Großstadt?
Abgesehen davon, erschiene mir der Klang von bayerischem Fleckvieh nicht nur heimatlicher ,sondern durchaus harmonischer, ja musischer und vor allem leiser als nicht abebbende, röchelnde Rufe und knallendes Bamm-Bamm-Bamm eines Blechschildes.

Freilich gibt es auch in Bali durchaus ungeschriebene Regeln im Miteinander.
Die hiesige Religion und Kultur ist ein einziges Regelwerk an Verhaltensvorgaben.
So gilt es als außerordentlich unhöflich, andere laut anzusprechen. Je wichtiger das Thema, desto leiser werden die Stimmen in Indonesien.

Manchmal sehne ich mich nach dem Recht auf persönliche Ungestörtheit.
Doch andrerseits kümmerts auch Keinen, wenn ich Laerme oder die Strassenverkehrsordnung mißachte(gibt es überhaupt eine in Bali?).
Kein einziger Oberlehrer oder Möchte-Gern-Hilfspolizist weist mich darauf hin, daß ich mal wieder unabsichtlich irgend eine Vorschrift verletzt haette.
Deshalb faellt es auch recht schwer, fehlerfrei die Sprache zu lernen.
Niemand will einen verbessern, dies gilt als sehr respektlos.

Ist nicht gerade das quirlende und deshalb leider auch laute Leben hier ein Grund, warum mich Asien immer wieder anzieht?

Und dann gibt es auch die relativ stillen Momente.
Nach Sonnenuntergang kann ich mich jetzt gerade endlich zurück lehnen,
dem gar nicht so leisen Klangteppich der Grillen und Frösche lauschen.
Ein Genuß, Leben pur.
Bis das Abendgebet der in Bali dominanten Religionen wieder die Besinnlichkeit wegfegt…

P.S.: Wenn mich die Leute aus dem Reisfeld morgen wieder um 6Uhr wecken, dann kaufe ich mir wirklich eine der riesigen Wasserpistolen mit Extratank und Druckbehaelter und besorge es allen Reisfeldvogelerschreckern…

Ein Kommentar

  1. Da lob ich mir doch die Ruhe hier in Lanzarote ;-)
    Einzig der Wind weckt mich am Morgen auf, und vielleicht der Geruch des frischen Kaffees, den Mama gerade eben gemacht hat…

    Beste Grüsse,

    Tom



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